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Seven Seals

Beitragvon dieb » 07.04.2019, 14:30

Auf dem Whiskyschiff Luzern hatte ich Gelegenheit 3 Abfüllungen von Seven Seals zu degustieren (https://7sealswhisky.com/). Die Firma hat ein Verfahren entwickelt und patentiert, um Whisky schneller reifen zu lassen und macht das - gemäss Aussage auf dem Schiff - mit Destillaten von Langatun. Bald sollen aber auch Destillate von anderen Destillerien dazu kommen. Mir wurde auch bestätigt, dass eine schnellere Reifung nur dadurch erzielt werden kann, indem der Kontakt des Destillats mit dem Holz intensiviert wird. Das kennen wir ja auch bereits aus Amerika (http://thewhiskyforum.ch/magic_viewtopic.php?f=43&t=2437#p15001). Und damals waren die Meinung im Blindtasting nicht gerade überwältigend.
Ich habe also auf dem Schiff drei Abfüllungen probiert. Bei der ersten (Sherry Wood Finish, 58.7%) wäre ich blind wohl kaum auf Whisky gekommen. Ein fehlerfreies Destillat aber etwas langweilig und ohne viel Charakter.
Die 2. Abfüllung war aus eine Port Fass (Finish mit 58.7%). Schmeckte mir etwas besser als die erste Abfüllung und hat zumindest wieder an Whisky erinnert. Auch hier alles gut und fehlerfrei aber halt auch nicht sonderlich spannend.
Die 3. Abfüllung kam aus einem Bourbon Fass und ist ebenfalls mit 58.7% abgefüllt. Noch eine Spur besser als der 2.

Ich muss dazu noch sagen, dass man diese nicht einmal als Whisky bezeichnen darf, da sie noch nicht 3 Jahre alt sind. Der Reifungsprozess hat immerhin die Newmake-Noten zum Verschwinden gebracht. Blind hätte ich die Abfüllungen sicher älter eingestuft.

Mit meinem beruflichen Hintergrund bin ich für Innovationen offen und verstehe auch, dass gerade die lange Lagerung von Whisky und die dadurch bedingte lange Bindung des Kapitals ein Problem darstellen kann. Dass man versucht, die Reifung zu beschleunigen stellen wir ja schon seit längerem auch bei Abfüllungen aus Schottland fest. Es kommt nicht von ungefähr, dass immer mehr NAS-Whiskies und Whiskies mit nur noch einer einstelligen Altersangabe auf den Markt kommen. Hier versucht man insbesondere durch die Wahl von aktiven Fässern und das Umfüllen in andere Fässer (Finishing) die Reifung zu beschleuchigen. Ebenso ist die Wahl von kleineren Fässern ein bewährts Mittel, da da das Verhältnis zwischen Volumen und Fassoberfläche kleiner ist und der Spirit damit mehr Kontakt zum Holz hat. Alles andere ist m.W. in Schottland nicht erlaubt.
Bei solchen Abfüllen stelle ich - wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Seven Seals - eine ähnliche Entwicklung fest. Die Produkte sind weniger komplex und damit langweiliger. Ein Beispiel dafür aus Schottland ist die Octave-Serie von Duncan Taylor. Die kommt wie ein Einheitsbrei daher. Jede einzelne Abfüllung für sich ist gut; aber die Vielfalt und auch der Destilleriecharakter geht teilweise stark verloren.
Daher bin ich geneigt, diese Entwicklung nicht wirklich zu begrüssen. Denn ich glaube nicht, dass wir zukünftig die Wahl zwischen schnell gereiftem und traditionell gereiftem Whisky haben werden. Wenn sich solche Verfahren in der Whisky-Industrie ausserhalb Schottlands durchsetzen, wird der Druck auf die Schotten steigen, solche Verfahren auch zu erlauben. Solche Verfahren erlauben nun mal die Herstellungskonsten massiv zu senken. Und ich glaube nicht, dass die Schotten einen ähnlichen Fehler wie damals die Iren machen werden. Erinnern wir uns: Der Ire Aeneas Coffey hat das von Robert Stein erfundene kontinuierliche Destillationsverfahren so weit verbessert, dass es enorm günstig wurde Grainwhiskies in riesigen Mengen herzustellen. Die Iren haben damals dieses Verfahren nicht erlaubt und haben u.a. damit den Untergang der irischen Whiskyindustrie besiegelt. Die Schotten waren weniger zimperlich und haben dieses Verfahren eingesetzt.
Man kann nun argumentieren, dass gerade diese Entwicklung ja auch dazu geführt hat, weniger charaktervolle Whiskies herzustellen. Das stimmt. Aber die Grains kamen ursprünglich kaum als Singlegrains auf den Markt. Sie wurden immer mit den charaktervollen Malts geblendet. Und das hat dazu geführt, dass uns die Malts auch in dieser Vielfalt erhalten geblieben sind.

Wie geht es euch damit? Habt ihr euch auch eine Meinung über die 7Seals-Abfüllungen gebildet?
Würde mich über eine interessante Diskussion freuen.
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Re: Seven Seals

Beitragvon Lukas » 08.04.2019, 16:28

Ich habe, obwohl ich es mir vorgenommen habe, in Luzern die 7Seals nicht probiert. Die Feedbacks, die ich gehört habe, entsprechen in etwa dem, was Du hier schreibst.

Ich sehe die ganze Entwicklung ähnlich skeptisch wie Du. Bisher fand ich einzig die ganzen Rundlets and Kilderkinsachen und natürlich die Bloodtubs von Port Charlotte richtig gelungen im Bereich Holzexperimente. Sonst geht es oft wirklich Richtung Einheitsbrei mit Geschmacksnoten, die ich nicht wirklich suche. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob der Markt mit nur noch beschleunigten Reifungsverfahren zu befriedigen sein wird. Bis jetzt sieht man leider kaum einen Preisunterschied zwischen den "innovativen" und den klassischen Reifungsmethoden. Ich befürchte, dass in Zukunft die schnell"gereiften" Whiskies so teuer wie heutige Standards sein werden und alles andere teurer wird. Heute ist es ja teilweise fast umgekehrt...
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Re: Seven Seals

Beitragvon seechas » 08.04.2019, 19:43

Mir ging es ähnlich wie Lukas, habe im Vorfeld die 7Seals auf dem Radar gehabt. Auf dem Schiff angekommen wurden sie aber gekonnt verdrängt. Es hat sich dann einfach nicht ergeben…
Wenn ich die Whiskywelt anschaue dann gibt es halt immer mehr Liebhaber von sehr aktiven und Holzlastigen Whiskys.
Wenn man die The Malt Maniacs Awards (böse Zungen sprechen von den Kavalan Awards) von den letzten Jahren anschaut zeichnet das genau dieses Bild von den aktiven und sehr kraftvollen Schnäpsen…
Wenn mit der neuen Methode günstig sehr aktive Whiskys hergestellt werden können ohne die teuren Sherry Fässer dann ist anzunehmen das das 7Seals Patent sich durchsetzen könnte.
Da ich eher der Traditionellen Whisky Herstellung verfallen bin finde ich natürlich die 7S Variante nicht so toll. Insgeheim hoffe ich natürlich dass sich dieser neuartige Herstellungsprozess nicht durchsetzen wird. Sie ist für mich wie wenn man Eichen Schnipsel verwenden würde…
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Re: Seven Seals

Beitragvon WhiskyU » 08.04.2019, 21:04

Auch ich sehe es hier ähnlich. Ich konnte eine 7s Abfüllung von einem Kollegen am Schiff probieren und das Fazit fällt gleich aus. Wie auch Bernhard bin ich allgemein Innovationen gar nicht abgeneigt, jedoch bin ich der Meinung, dass nur aufgrund der Kostenoptimierung keine Abstriche bei der Qualität gemacht werden dürfen. Da jedoch die Scotch Whisky Industrie in den letzten Jahren bewiesen hat, dass es doch eine gewisse Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen von Qualität und meinen gibt, stehe ich dieser Entwicklung eher skeptisch gegenüber. Da Geschmack und - somit auch Qualität wie ich sie hier verstehe - subjektiv ist, wird es Produzenten einfach fallen, solche Kostenoptimierungen zu rechtfertigen. Da gefällt mir zum Beispiel der entgegengesetzte Ansatz, den beispielsweise die Thompson Bros mit ihrer Dornoch Distillery fahren besser, da es dort rein um die Qualität geht. Verständlich, dass Brennereien mit riesigen Unternehmen im Nacken da weniger Spielraum haben, aber vielleicht sollte man halt den Fokus ein wenig weg vom Holz lenken.
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Re: Seven Seals

Beitragvon WhiskyU » 08.04.2019, 21:16

Was mich auch wunder nimmt, ist, ob die Zahlen, die man auf der 7S (und auch bei gewissen anderen Herstellern in ähnlicher Form) sieht, irgendeine empirische Basis haben oder ob die einfach mal so in den Raum geworfen wird.

Z.b.
-Der Whisky gewinnt 60% seines Geschmacks aus dem Fass

-während der ersten 6 Jahre werden 80% des Fassaromas abgegeben.
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Re: Seven Seals

Beitragvon WhiskyU » 08.04.2019, 21:18

Auch schreiben sie auf der Website, dass sich die Herstellung von Whisky über Jahrtausende entwickelt hat :shock:
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Re: Seven Seals

Beitragvon Lukas » 09.04.2019, 10:26

Empirisch belegbar ist das wohl alles nicht. Vor allem könnte es sich im besten Fall um Durchschnittswerte handeln. Ein Firstfillfass ist diesbezüglich sicherlich nicht mit einem ausgelutschten Refillfass zu vergleichen. Auch bin ich nach wie vor immer wieder überrascht, wie wenig sich Fässer bei der Geschmacksentwicklung an Prognosen halten ;-). So habe ich z.B. vor etwas über 2 Jahren eine Fassprobe eines gut 10jähreigen first fill Bourbon Laddie probiert und fand den schon bitter und befürchtete, dass er bei weiterer Lagerung definitiv over the top wäre. Als ich nun am letzten Wochenende aus der mit 13 Jahren abgefüllten Flasche probierte, fiel mir überhaupt keine dominierende Bitterkeit mehr auf.

Noch unberechenbarer sind für mich nicht mehr so aktive Fässer. Da kann etwas nach dreissig Jahren immer noch sprittig oder wunderschön reif (aber spirit driven) sein. Letztere Art von Whiskies liebe ich ich und ich denke nicht, dass die je mit Holztechnologie hergestellt werden können.
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Re: Seven Seals

Beitragvon Philipp » 09.04.2019, 11:33

WhiskyU hat geschrieben:Auch schreiben sie auf der Website, dass sich die Herstellung von Whisky über Jahrtausende entwickelt hat :shock:


Lieber Julian, das kommt darauf an, wo Du den Beginn der Entwicklungskette setzt. Hier stellen sie wohl auf das Vergären ab oder das Rad, vielleicht das Feuermachen oder gar den ersten Witz (Whisky sollte schliesslich Spass machen)... Fragen über Fragen.

8)
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Re: Seven Seals

Beitragvon Philipp » 09.04.2019, 11:49

WhiskyU hat geschrieben:Was mich auch wunder nimmt, ist, ob die Zahlen, die man auf der 7S (und auch bei gewissen anderen Herstellern in ähnlicher Form) sieht, irgendeine empirische Basis haben oder ob die einfach mal so in den Raum geworfen wird.

Z.b.
-Der Whisky gewinnt 60% seines Geschmacks aus dem Fass

-während der ersten 6 Jahre werden 80% des Fassaromas abgegeben.
¨

Also, bei anderen Angabe sind sie nicht so genau. Sie schreiben von 2-3 % Angel's Share. Meines Wissens sind es in der Regel 1-2 % in Schottland. Ich glaube auch, dass es Bestimmungen von Zoll/Steueramt in Grossbritanien gibt, welche eine Begrenzung bei 2.5 % vorsehen. Vielleicht sind es 2-3 % für die Schweiz?

Aber eben, wie Lukas bereits geschrieben, sind die Fässer wirklich schwierig einzuschätzen, das gibt es immer Abweicher.

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Re: Seven Seals

Beitragvon mad69 » 10.04.2019, 21:59

Ein Buch mit sieben Siegeln - oder eben seven seals...

Man braucht nicht immer alles zu verstehen; aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass mir der beschleunigte Spirit schmecken würde. Entschleunigt ist Trumpf. Zumindest hier. Zumindest bei mir.

Zugegeben, ich bin in Luzern auch absolut zielstrebig am Stand vorbeigekommen - die Neugier hat mich (noch) nicht gepackt. Aber was nicht ist kann ja noch werden - ob's was werden wird, werden wir sehen :roll:

Vielleicht ein klarer Fall für einen Beitrag in einem Adventskalender - ich bin sicher nicht der Erste mit dieser :twisted: Idee. Mal gucken, ob wir dann alle in die Röhre schauen werden.

Sláinte!
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Re: Seven Seals

Beitragvon barrelproof » 11.04.2019, 16:26

ich durfte die dinger probieren.. Unterschiede waren bei den drei versionen vorhanden aber insgesamt blieb die begeisterung aus. es hätte mich sehr interessiert was im detail dahinter steckt aber verstehe natürlich das sie sich da eher bedeckt halten.. grundsätzlich finde ich hier den bekannten old fashioned way den richtigen weg. so lange die natur die reifung beschleunigt (frisches holz, höhere temp) ok, alles andere interessiert mich nicht wirklich und glaube es gibt keine wirkliche alternative zur langen lagerung inklusive verlust durch die Verdunstung. der kontakt mit dem holz ist das eine aber es braucht wohl moch mehr.. auf whisky.de habe ich mal was bzgl. additativer, subtraktiver, interaktiver reifung gelesen.. das verfahren von seven seals berücksichtigt wohl kaum alle drei ausgewogen genug..
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Re: Seven Seals

Beitragvon Babu » 11.04.2019, 20:31

mad69 hat geschrieben:Ein Buch mit sieben Siegeln - oder eben seven seals...

Vielleicht ein klarer Fall für einen Beitrag in einem Adventskalender - ich bin sicher nicht der Erste mit dieser :twisted: Idee. Mal gucken, ob wir dann alle in die Röhre schauen werden.

Sláinte!


Könnte interessant werden... :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
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